Als Herr J. in die Transfer-Werkstatt kam, beschrieb er sich selbst als ein „Häufchen Elend“. Früher hatte er das Restaurant seiner Eltern übernommen – ein Leben voller Verantwortung und Perspektive. Doch nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter und den daraus resultierenden psychischen Problemen geriet alles aus dem Gleichgewicht. Der Verlust des Restaurants, verbunden mit einer tiefen persönlichen Krise, führte Herrn J. in die Abhängigkeit – von Alkohol, Drogen und letztlich von der Straße. Mehr als zehn Jahre lebte er obdachlos. Zu Beginn seiner Teilnahme in der Transfer-Werkstatt war sein Alltag geprägt von Orientierungslosigkeit. Ein fester Tagesrhythmus fehlte, Termine gerieten in Vergessenheit, und häufig erschien er unter dem Einfluss von Drogen. Seine Konzentration war stark eingeschränkt, sein Verhalten oft gereizt. Rückschläge – selbst kleine – warfen ihn schnell aus der Bahn und führten regelmäßig zu Rückfällen. Hinzu kamen hohe Schulden aus der Zeit des gescheiterten Gastronomiebetriebs.
Die behutsame Begleitung der Transfer-Werkstatt machte Veränderung möglich. Durch die Teilnahme an der Sucht- und Schuldnerberatung sowie intensive Unterstützung bei der Wohnungssuche konnte Herr J. wieder erste Stabilität gewinnen. Besonders wichtig war für ihn die Erfahrung, dass er nicht mehr unsichtbar war – dass jemand sein Fehlen bemerkte und sich ehrlich um ihn sorgte. Langsam fand er zu einem geregelteren Alltag zurück, bewältigte seine Schlafprobleme und war immer häufiger verlässlich anwesend.
Mit Hilfe des Sozialdienstes stellte sich Herr J. auch seiner finanziellen Situation – eine Privatinsolvenz wurde eingeleitet. Im Café Gutleut, einem unserer Arbeitsbereiche, konnte er seine gastronomische Erfahrung einbringen und wurde schnell zu einem geschätzten Teammitglied. Im Laufe des Jahres machte Herr J. beeindruckende Fortschritte. Aus dem zurückgezogenen Mann wurde ein offener, selbstbewusster und fröhlicher Mensch, der seine Suchtproblematik zunehmend in den Griff bekam. Auch nach der Teilnahme in der Transfer-Werkstatt setzt er seinen Weg fort: Ein Frankfurter Restaurant übernahm ihn direkt als Servicekraft – ein neuer Lebensabschnitt, den Herr J. mit Stärke und Zuversicht angeht.